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Spannender Perspektivwechsel

Es ist schon später Nachmittag, ein paar Studentinnen und Studenten laufen noch durch die Räume in der HSBI in Bielefeld, die Türen der Hörsäle stehen offen, draußen werden Getränkekisten bereitgestellt, weil gleich nebenan eine Antrittsvorlesung eines neuen Kollegen stattfindet.


Im Hörsaal B3 ist noch alles frei, sind alle Stühle unbesetzt, nur ganz unten, da, wo die moderne Technik auf Nutzung wartet, steht Prof. Dr. Oliver Middendorf und wippt auf den Zehenspitzen hin und her. Das hier, also sein Engagement in der Lehre, sei ein Hobby, oder, besser: ein Teil seiner Arbeit, irgendwie eine Leidenschaft, etwas, bei dem er nicht hätte Nein sagen können, erzählt der 51-Jährige. Früher schon arbeitete er am Lehrstuhl an der Uni Münster mit; als er dann 2009 zu HLB Stückmann wechselte, lief „mir irgendwann Prof. Werner über den Weg, fragte an, ob ich nicht auch Freude an der Lehre hätte, mitmachen wolle und irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht Nein sagen zu können“, erzählt Prof. Dr. Oliver Middendorf viele Jahre später schmunzelnd. „Es war aber kein echtes Überreden notwendig“, fügt er noch an, bereite ihm die Lehre, dieser Austausch mit jungen Menschen doch sehr viel Freude.

 

„Natürlich spielt der Fachkräftemangel da auch eine Rolle, schaut man schon, wer sich vielleicht dazu eignet, später bei uns, bei HLB Stückmann mitzuarbeiten. Und genauso selbstverständlich ist man erfreut, wenn plötzlich eine Bewerbung auf dem Schreibtisch landet und man weiß: Die Person kenne ich doch aus meinen Vorlesungen.“

Vor allem aber gehe es ihm darum, für das Thema Wirtschaft im Allgemeinen und alles Steuerliche im Speziellen zu begeistern. „Vieles ist gar nicht so trocken wie man glaubt“, sagt Prof. Dr. Middendorf und lacht – man glaubt es ihm aufs Wort.

Mit Kolleginnen und Kollegen teilt er sich die Vorlesungsreihen hier an der HSBI in Bielefeld, auch an der Universität in Paderborn. Angefangen hat alles als Lehrbeauftragter. „Die Ernennung zum Honorarprofessor als Dank für mein langjähriges Engagement hat mich sehr gefreut und mich in meiner Tätigkeit für die HSBI bestätigt“, sagt er und lacht wieder – Humor gehöre dazu, wenn man hier ein Mal die Woche vor junge Menschen tritt, sie mitnehmen, begeistern wolle.

Im Wintersemester bringt er den Studentinnen und Studenten aus den höheren Bachelor- und Masterstudiengängen die Einführung in die Wirtschaftsprüfung näher, im Sommersemester geht es um Sonderfragen des Steuerrechts. „Natürlich habe ich das schon zigfach gemacht, kenne alle Inhalte. Und doch bleibt man durch diese Vorlesungen auch als Professor am Puls der Zeit, lernt immer wieder dazu und neue Details kennen“, sagt der 51-Jährige, der vom Wohnort Osnabrück aus mal am HLB Stückmann-Standort in Hamburg tätig ist, dann zu den beiden Hochschulen oder zum HLB Stückmann-Hauptsitz nach Bielefeld reist.

 

Hier sitzen eigentlich seine Studierenden. Prof. Dr. Oliver Middendorf nimmt fürs Foto mitten im Hörsaal Platz.

Wie all das in einen Tag, eine Woche, einen Arbeitsalltag zu packen sei? „Ich stehe schon früher auf als andere“, erzählt er fast entschuldigend. Zum „5-Uhr-Club“ reiche es nicht, um 5:25 Uhr aber klingelt sein Wecker, startet er in den Tag. Der dann allerdings auch früher als bei anderen, gegen 22 Uhr, ende.

Spätestens dann ist es hier an der Hochschule ­mucksmäuschenstill, sind Studentinnen und Studenten sowie Lehrende längst zuhause. Erstere bereiten sich dann häufig auf Prüfungen vor, die auch Prof. Dr. Oliver Middendorf abnimmt. Ob er dabei ein strenger Prüfer ist? „Eher ein fairer“, sagt der Gefragte und es wirkt so, als sei er irgendwie beides: fordernd und fördernd.

So langsam füllt sich der große Hörsaal, das Notebook wird angeschaltet und angeschlossen, es kann weitergehen mit der Lehre durch einen, der diesen Mix aus Theorie und Praxis, aus Betreuung von Mandantinnen und Mandanten und Studentinnen und Studenten so schätzt. Und beides nicht missen möchte, trotz eines Arbeitsaufwandes, „der dann vielleicht doch etwas höher als bei anderen ist“.