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Mehr als Zahlen &  Bilanzen

„Und wie“, lautet die Antwort, wenn Dr. Wolfgang Zündorf gefragt wird, ob er ein echter Zahlenmensch ist. Und das sei er eigentlich immer schon gewesen, habe sich in der Schulzeit für Mathe und Physik begeistert und erlebte noch eine Steigerung während des BWL-Studiums. Dabei hätte sich der heute 67-Jährige durchaus vorstellen können, den elterlichen Hof zu übernehmen, in die Landwirtschaft zu gehen. Doch sein Bruder wurde für die Nachfolge ausgewählt, seine Eltern empfahlen Dr. Wolfgang Zündorf ein Jura- oder BWL-Studium, „und warum sollte ich dem nicht folgen, sie kennen mich doch am besten?“, fragte sich der heutige Ruheständler nicht lange.

 

Und wenn schon ein Studium, dann nicht eines, das sich um die Redegewandtheit wie bei Jura, sondern um Zahlen drehte. Der Studienort war mit Münster schnell gewählt: nicht zu weit entfernt, aber eben auch nicht zu nah am elterlichen Zuhause in Bad Lippspringe. Rechnungswesen – das war es, was Dr. Wolfgang Zündorf während seines Studiums und in seiner beruflichen Laufbahn begeisterte. Und wer ihn fragt, ob das nicht eine trockene Kost sei, erhält auch hier eine sehr deutliche Antwort: „Das ist der Kern der Betriebswirtschaft, da redet Ihnen niemand Fachfremdes rein.“

Nach Studium und erfolgreicher, durch ein Stipendium aufgrund sehr guter Noten finanzierter Promotion, ging es in die Arbeitswelt. „Ich wollte immer im Rechnungswesen richtig großer Unternehmen und Konzerne arbeiten“, nahm sich Dr. Zündorf vor und musste doch zu Plan B greifen. „Meine damalige Freundin und heutige Ehefrau war durch das Unternehmen ihrer Eltern an Bad Lippspringe gebunden. Also zog ich nach zwei Jahren in einer Wirtschaftsprüfungskanzlei in Mainz zurück in die Heimat, zog gedanklich einen 50-Kilometer-Radius um mein Zuhause und begann zu suchen.“

 

Paderborn schied für ihn als möglicher Arbeitsort aus, „denn ich war ja noch Berufsanfänger, ging davon aus, dass ich krachende Fehler begehen würde, die sich dann schnell im Paderborner Umfeld und damit auch in Bad Lippspringe herumsprech­en würden und ein Arbeiten als Freiberufler unmöglich machten.“ Also wurde systema­tisch im Umland gesucht, eine Stunde Fahrtzeit schien vertretbar.

So fiel die Wahl auf HLB Stückmann. „Das waren die Bodenständigsten, da habe ich mich persönlich am wohlsten gefühlt. Gleich­zeitig galt hier das Prinzip: Wirtschaftsprüf­ung und Steuerberatung aus einem Kopf. Das gab mir die Gelegenheit, in das Thema Steuern reinzurutschen, das mich auch interessierte“, so Dr. Zündorf, der schließlich zu Mitarbeiter Nummer 20 bei HLB Stückmann wurde.

Bis vor ein paar Jahren leitete er hier die Steuerabteilung. Er fand in Dr. Hüttemann einen Förderer und Mentor, der anfangs ein wachsames Auge auf seine Arbeit hatte. Die krachenden Anfangsfehler? „Hat es dann doch nie gegeben“, erzählt Dr. Zündorf heute schmunzelnd. Ganz im Gegenteil. Er erhielt schnell eigene Mandate, arbeitete an den Aufgaben mit, die der damals größte Man­dant, ein großer Automobilzulieferer aus OWL, vor allem bei dessen Internationali­sierung an HLB Stückmann stellte. „Damals entschied sich Volkswagen dazu, in vielen Ländern Produktionsstätten zu errichten. Durch das Prinzip „Just in Time" waren die Zulieferer – und damit auch die ostwest­fälischen Zulieferer – gezwungen, mitzuzieh­en. So ergaben sich für uns viele spannende steuerrechtliche Fragen“, freute sich Dr. Zündorf.

So arbeitete er sich weiter nach oben und sah keine Veranlassung, jemals zu gehen. Einmal erhielt er ein Angebot, in die Wirt­schaft zu wechseln. „Aber eigentlich wollte ich da gar nicht hin“, berichtet er nicht nur heute, sondern sagte das auch damals Dr. Hüttemann. Der stellte die Partnerschaft in Aussicht und so blieb Dr. Zündorf – und verschwendete bis zu seinem Ausscheiden nie wieder einen Gedanken an einen Wechsel. „Wir hatten und haben hier ein sehr gutes Betriebsklima, einen sehr wertschätz­enden Umgang mit­einander, bieten starkes Wachstum und damit viele Perspektiven, interessante Aufgaben und Karrieremöglich­keiten. Nennen Sie mir einen Grund, warum man von hier weggehen sollte?“, fragt Dr. Zündorf heute und gibt die Antwort direkt mit.

 

So schaut er kurz vor seinem HLB Stückmann-Abschied auf eine erfüllte und erfüllende Zeit zurück. Vieles habe sich verändert, „heute zählt nicht mehr alles aus einem Kopf, sondern das perfekt verzahnte Team aus Spezialisten“. Wehmut aber? Verspüre er gar nicht. „Ich blicke auf ein sehr erfülltes Berufsleben zurück, merke aber auch, dass ich nicht mehr fünfzig Jahre alt, nicht mehr so schnell wie damals bin.

Darum ist es einfach die passende Zeit, um zu gehen. Das ist seit drei, vier Jahren bekannt und kommuniziert. Ich konnte mich darauf einstellen, mir wurde empfohlen, rechtzeitig loszulassen. Und da ist viel Wahres dran“, sagt Dr. Zündorf zum Abschied.

Die Zahlen aber werden den zweifachen Familienvater nicht gänzlich loslassen. In Bad Lippspringe ist ein City-Outlet geplant, „da bin ich irgendwie mit ins Team gerutscht, kümmere mich um Finanzen und Zahlen – ehrenamtlich, versteht sich“, sagt der Fast-Ruheständler. Seine Tochter hat sich in München an einem Start-up beteiligt, auch da hilft er gerne beratend aus und weiter. Es soll daneben auch mehr Zeit bleiben, um sich sportlich zu betätigen, mit dem Bruder auf die Jagd zu gehen, sich all den Sachbüchern zu widmen, die er längst gelesen haben wollte. „Zahlen sind und waren meine große Leidenschaft. Aber Geschichte und Politik haben mich auch immer interessiert. Und jetzt habe ich Zeit, die Zahlen ein wenig zur Seite zu schieben und mich den anderen Themen zu widmen“.