News Umsatzsteuerberatung

Umsatzsteuerfalle bei der E-Bike-Überlassung

Veröffentlicht: 6. September 2021

Die Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern an Arbeitnehmer erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Häufig erfolgt dies im Rahmen eines durch den Arbeitgeber abgeschlossenen Leasingvertrags, sodass der Arbeitnehmer von günstigeren Konditionen profitiert. Die lohnsteuerliche Berücksichtigung ist relativ einfach und verständlich. Umsatzsteuerlich drohen jedoch Fallstricke, da die Umsatzsteuer bezüglich der Bemessungsgrundlage nicht zwingend der Lohnsteuer folgt.

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat am 17.03.2021 eine Verfügung zur lohn- und umsatzsteuerlichen Behandlung der vom Arbeitgeber an Arbeitnehmer zur Privatnutzung überlassenen (Elektro-)Fahrräder herausgegeben. Die Verfügung dient der verwaltungsinternen Bearbeitung, sollte aber auch von den Arbeitgebern beachtet werden.

1. Lohnsteuerliche Behandlung der Überlassung

Erfolgt die Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern an Arbeitnehmer zur Privatnutzung auf Kosten des Arbeitgebers zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn, bleibt der geldwerte Vorteil nach § 3 Nr. 37 EStG lohnsteuerfrei.

Im Falle der Überlassung des Fahrrads gegen Verzicht des Arbeitnehmers auf einen Teil seines Bruttoarbeitslohns (Entgeltumwandlung) ist der geldwerte Vorteil mit 1% der auf volle Hundert Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Dienstfahrrads einschließlich Umsatzsteuer zu bewerten. Die lohnsteuerliche Bemessungsgrundlage wird seit 2020 für Fahrräder, die erstmals ab 2019 überlassen wurden, mit nur einem Viertel angesetzt.

2. Umsatzsteuerliche Behandlung der Überlassung

Die Gewährung eines Sachbezugs erfolgt stets im Leistungsaustausch: Sachlohn gegen Arbeitsleistung des Arbeitnehmers.

Sofern die Fahrradüberlassung zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn erfolgt, ist der entstehende Nutzungsvorteil trotz Lohnsteuerfreiheit umsatzsteuerpflichtig.  Da aufgrund der zusätzlichen Gewährung des Vorteils der Wert der abgegoltenen Arbeitsleistung nicht bemessen werden kann, darf er vereinfachend aus dem Bruttowert nach der 1%-Regelung mit 19% herausgerechnet werden. Die lohnsteuerliche Viertelung der Bemessungsgrundlage greift für die Berechnung der Umsatzsteuer jedoch nicht.

Im Falle der Entgeltumwandlung kann dagegen der Wert der Arbeitsleistung bestimmt werden. Er bemisst sich nach der Höhe des Barlohnverzichts. Die vereinfachte Ermittlung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage nach der 1%-Regelung ist daher nicht zulässig. Zusätzlich ist für umsatzsteuerliche Zwecke die sog. Mindestbemessungsgrundlage zu beachten: Sind die zum (teilweisen) Vorsteuerabzug berechtigenden Aufwendungen des Arbeitgebers höher als der Betrag der Entgeltumwandlung, stellen diese Aufwendungen die Untergrenze der Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Umsatzsteuer dar.

Beispiel aus der Verfügung:
Ein Arbeitnehmer erhält im Jahr 2020 von seinem Arbeitgeber ein Elektro-Fahrrad (UVP 3.200 € zuzüglich USt 608 €), das verkehrsrechtlich nicht als Kfz gilt und welches er auch privat nutzen darf. Es entstehen monatliche Gesamtkosten für das Fahrrad (Leasingkosten) i.H.v. 60 € zzgl. USt. Der Arbeitnehmer verzichtet hierzu monatlich auf 50 € seines Gehalts.

Die Umsatzsteuer-Bemessungsgrundlage ist grundsätzlich der Gehaltsverzicht: 50 € x 100/119 = 42,01 €.

Im zweiten Schritt ist die Mindestbemessungsgrundlage zu prüfen:
Entstandene Ausgaben, soweit sie zum Vorsteuerabzug berechtigt haben = 60 €

Der höhere der beiden Werte stellt die Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuerzwecke dar.

Ergebnis:
Anwendung der Mindestbemessungsgrundlage: 19% x 60 € = 11,40 €

3. Hinweis zum Stromtanken

Das Stromtanken im Betrieb ist grundsätzlich lohnsteuerfrei. Hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Behandlung kommt es auf die zum Stromtanken getroffene Vereinbarung im Einzelfall an.
Die Verfügung des Bayerischen Landesamtes für Steuern ist noch nicht bundeseinheitlich abgestimmt.

Fazit:

Dennoch wird die umsatzsteuerliche Behandlung in Entgeltumwandlungsfällen bereits im Rahmen von Lohnsteueraußenprüfungen in anderen Bundesländern aufgegriffen. Dies gilt selbst dann, wenn in Vorprüfungen seitens der Prüfer davon ausgegangen wurde, dass die Umsatzsteuer bei Entgeltumwandlung stets aus dem Wert der 1%-Regelung herausgerechnet werden konnte. Arbeitgeber sollten die umsatzsteuerliche Behandlung der Fahrradüberlassung in ihrem Unternehmen daher überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Wir beraten Sie gerne!