News Unternehmenssteuerrecht

Aktuelle Steuergesetzänderungen

aus Steuern & Wirtschaft aktuell

Zum Jahresbeginn 2020 ist wieder eine Vielzahl von Gesetzesänderungen in Kraft getreten. Die wichtigsten Neuerungen im steuerlichen und betrieblichen Bereich haben wir nachfolgend zusammengestellt:

Einkommensteuer

  • Die Anhebungen des Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer um 240 € auf 9.408 € und des Kinderfreibetrags um 192 € auf 5.172 € sowie die Anpassung des Steuertarifs führen zu einkommensteuerlichen Entlastungen.
  • Der Höchstbetrag für die steuerfreie betriebliche Gesundheitsförderung wird je Arbeitnehmer von 500 € auf 600 € angehoben.
  • Vom Arbeitgeber getragene berufliche Fort- und Weiterbildungskosten sind steuerfrei, wenn diese überwiegend im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers vorgenommen werden oder der individuellen Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter dienen.
  • Für Arbeitnehmer und Selbstständige, die ein neu angeschafftes emissionsfreies Elektroauto mit max. 40.000 € Listenpreis als Firmenwagen privat nutzen, ist die Privatnutzung lediglich mit 0,25 % des Listenpreises als geldwerter Vorteil zu versteuern (statt 1 % bei konventionell betriebenen Fahrzeugen).
  • Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen werden von 12 € auf 14 € bzw. von 24 € auf 28 € angehoben.
  • Für Berufskraftfahrer wird ein neuer Pauschbetrag von 8 € für eine Übernachtung im Fahrzeug eingeführt.
  • Die Sachbezugswerte für Mahlzeiten werden bei einem Mittagessen von bisher 3,30 € auf 3,40 € erhöht, bei einem Frühstück von 1,77 € auf 1,80 €.
  • Die Entfernungspauschale erhöht sich für Fernpendler ab dem 21. Entfernungskilometer für die Jahre 2021 bis 2023 um 5 Cent auf 35 Cent und für die Jahre 2024 bis 2026 um 8 Cent auf 38 Cent. Geringverdiener können unter bestimmten Voraussetzungen einen Antrag auf Mobilitätsprämie stellen.
  • Jobtickets können vom Arbeitgeber ab dem Jahr 2020 mit 25 % pauschal versteuert werden. In diesen Fällen erfolgt keine Kürzung des Werbungskostenabzugs beim Arbeitnehmer. Alternativ kann das Jobticket steuerfrei gewährt werden. Allerdings muss dann der Arbeitnehmer die Werbungskostenpauschale um den Wert des Jobtickets kürzen.
  • Für rein elektrische Liefer- oder andere Nutzfahrzeuge und elektrisch betriebene Lastenfahrräder wird zusätzlich zur regulären Abschreibung eine Sonderabschreibung von 50 % im Jahr der Anschaffung eingeführt. Die Regelung ist bis Ende 2030 befristet.
  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu berufsständischen Versorgungswerken oder zu einer privat abgeschlossenen Rürup-Rente können als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Der max. förderfähige Beitrag steigt auf 25.046 € bzw. auf 50.092 € bei Zusammenveranlagung. Davon sind in der Steuererklärung 90 % abzugsfähig.
  • Dem Kapitalertragsteuerabzug unterliegen nun auch Zinsen, die aus einer über eine Internetplattform erworbenen Forderung resultieren. Dies ist regelmäßig beim sog. Crowdlending, also z. B. der Darlehensvergabe an Start-up-Unternehmen, der Fall. Der inländische Plattformbetreiber oder die inländische Niederlassung eines ausländischen Plattformbetreibers sind zum Einbehalt der Kapitalertragsteuer von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer verpflichtet.
  • Energetische Sanierungsmaßnahmen am selbstgenutzten Wohneigentum werden in den kommenden zehn Jahren in Höhe von 20 % der Aufwendungen (max. 40.000 € je Objekt) gefördert und können verteilt über drei Jahre von der Steuerschuld abgezogen werden.

Steuern & Wirtschaft aktuell

Einblicke in Veränderungen steuerlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen und neue Gestaltungsmöglichkeiten

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Gewerbesteuer

  • Die gewerbliche Kürzung von Gewinnen aus Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft mit Sitz und Geschäftsleitung im Ausland darf nur noch vorgenommen werden, wenn der Kapitalanteil zu Beginn des Jahres mind. 15 % beträgt. Die bisherige niedrigere Beteiligungsquote in Höhe von 10 % für europäische Gesellschaften wurde abgeschafft.

Umsatzsteuer

  • Der Grenzwert für die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung wird von 17.500 € auf 22.000 € angehoben.
  • Der Umsatzsteuersatz für Bahnfahrten wird von 19 % auf 7 % gesenkt.

Sozialversicherung

  • Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wird um 0,1 %-Punkte auf 2,4 % gesenkt.
  • Der kassenindividuelle Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung, der zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gezahlt wird, steigt von 0,9 % auf 1,1 %.
  • Der Mindestlohn steigt von 9,19 € auf 9,35 €. Minijobber dürfen damit nur noch max. 48 Stunden pro Monat arbeiten, damit die Einkommensgrenze von 450 € nicht überschritten wird.
  • Erstmals wird ein Mindestlohn für Auszubildende in tariflich nicht gebundenen Unternehmen eingeführt, die ihre Ausbildung ab 2020 beginnen. Dieser beträgt im ersten Lehrjahr 515 € und erhöht sich je Lehr- und Kalenderjahr.
  • Die durchschnittliche Verdienstgrenze für kurzfristig beschäftigte Minijobber steigt pro Arbeitstag von 72 € auf 120 € und je Arbeitsstunde von 12 € auf 15 €.

Recht

  • Händler sind dazu verpflichtet, ihren Kunden einen Kassenbon in elektronischer oder in Papierform zu übergeben. Der Kunde muss diesen jedoch nicht annehmen.
  • Die Bußgelder bei fehlerhafter oder ungenügender Kassenführung betragen künftig bis zu 25.000 € (bisher: 5.000 €).
  • Zum 1.3.2020 tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Fachkräfte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union können leichter auf den deutschen Arbeitsmarkt gelangen.

Sonstiges

  • Um Steuergestaltungen besser überwachen zu können, wurde eine Anzeigepflicht beim Bundeszentralamt für Steuern für grenzüberschreitende Steuergestaltungen geschaffen.
  • Das Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung ermöglicht Unternehmen eine steuerfreie staatliche Zulage für Personalkosten im Forschungsbereich von 25 % der Arbeitslöhne für bestimmte Forschungsprojekte (max. 500.000 € jährlich).
  • Das Baukindergeld läuft zum 31.12.2020 aus. Bisher ist keine Verlängerung durch die Bundesregierung geplant

Ansprechpartner

  • Dipl.-Kffr.
    Evelyn Osang

    Steuerberaterin

    +49 521 2993112

    Detail
  • Juliane Lange, LL.M., Essex (UK)

    Steuerberaterin, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht

    +49 521 2993310

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  • Dr. Andreas Börger

    Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner

    +49 521 2993217 (Sekretariat)

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