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Private Kapitaleinkünfte: Verlustberücksichtigung bei der Ausbuchung wertlos gewordener Aktien

Das FG Rheinland-Pfalz hat mit Urteil vom 12.12.2018 (2 K 1952/16) entschieden, dass die Ausbuchung von endgültig wertlos gewordenen im Privatvermögen gehaltenen Aktien durch die Depotbank zu einem einkommensteuerlich berücksichtigungsfähigen Verlust führt.

Im Streitfall haben die Kläger Aktien im Privatvermögen gehalten. Im Jahr 2011 buchte die Depotbank die Aktien aufgrund deren Wertlosigkeit aus. Daraufhin machten die Kläger in ihrer Einkommensteuererklärung für 2011 einen Verlust in Höhe der Anschaffungskosten für die Aktien geltend. Das Finanzamt hat die Berücksichtigung des Verlustes versagt und verwies insbesondere darauf, dass lediglich der Verlust aus der Veräußerung der Aktien, also der entgeltlichen Übertragung auf einen Dritten, berücksichtigungsfähig sei, welche im Streitfall nicht vorliege.

Das FG Rheinland-Pfalz hat jetzt entschieden, dass durch die Ausbuchung der wertlos gewordenen Aktien ein steuerlich zu berücksichtigender Verlust entsteht. Begründung: Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen sollten seit der Einführung der Abgeltungssteuer steuerlich vollständig erfasst werden. Ferner verweist das FG in der Urteilsbegründung auf die Entscheidung des BFH vom 24.10.2017, nach der ein Forderungsausfall in der privaten Vermögenssphäre zu einem steuerlich berücksichtigungsfähigen Verlust führt. Das FG sieht keine Gründe dafür, den Ausfall einer Forderung im Privatvermögen anders als die Ausbuchung wertloser Aktien zu behandeln.

Handlungsempfehlung

Gegen das Urteil des FG wurde Revision eingelegt (VIII R 5/19), sodass die Entscheidung des BFH abzuwarten bleibt.

Wir empfehlen Ihnen, zu prüfen, ob durch die Ausbuchung wertloser Aktien erzielte Verluste in der Vergangenheit steuerlich nicht geltend gemacht bzw. nicht vom Finanzamt anerkannt wurden. Soweit noch möglich, sollte in diesen Fällen eine Änderung der Steuerfestsetzung beantragt werden.

Da der BFH über die Ausbuchung wertloser Aktien noch nicht entschieden hat, empfehlen wir für zukünftige Fälle, wertlos gewordene Aktien vorsichtshalber, soweit möglich, zu verkaufen. Der BFH hatte mit Urteil vom 12.06.2018 entschieden, dass dabei erzielte Verluste steuerlich zu berücksichtigen sind. Sollte ein Verkauf nicht möglich sein, empfehlen wir, durch die Ausbuchung realisierte Verluste in der Steuererklärung geltend zu machen. Werden sie von der Finanzverwaltung nicht anerkannt, sollte mit Verweis auf das o. g. Revisionsverfahren Einspruch eingelegt und Ruhen des Verfahrens beantragt werden. Hierbei sind wir Ihnen gern behilflich.

Wir beraten Sie gerne!

  • Dipl.-Kfm.
    Prof. Dr. Oliver Middendorf

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