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BFH: Verlustberücksichtigung beim Verkauf wertloser Aktien

Stückmann Ad Hoc 2018/9

Mit Urteil vom 12.06.2018  (VIII R 32/16) hat der BFH entschieden, dass die steuerliche Berücksichtigung eines Verlustes aus der Veräußerung von Aktien weder von der Höhe der Gegenleistung noch von der Höhe der anfallenden Veräußerungskosten abhängt. Damit wendet sich der BFH gegen die Auffassung der Finanzverwaltung (BMF-Schreiben vom 18.01.2016, BStBl. I 2016, 85, Rz. 59).

Im Streitfall hatte der Kläger Aktien erworben und diese 2013 für insgesamt EUR 14 wieder an die Sparkasse veräußert. In gleicher Höhe behielt die Sparkasse Transaktionskosten ein.
Das Finanzamt berücksichtigte den bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend gemachten Veräußerungsverlust wegen der fehlenden Steuerbescheinigung der Sparkasse nicht. Darüber hinaus versagte es die steuerliche Anerkennung des Verlustes mit der Begründung, es liege keine Veräußerung vor, weil der Veräußerungspreis die Transaktionskosten nicht übersteige. Dieser Auffassung ist der BFH jetzt entgegen getreten.

Der BFH hat entschieden, dass jede entgeltliche Übertragung des – zumindest wirtschaftlichen – Eigentums auf einen Dritten eine Veräußerung für steuerliche Zwecke darstellt.
Einen Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten i.S.d. § 42 AO verneint der BFH.

Der Verlustverrechnung stand auch nicht die fehlende Steuerbescheinigung der Sparkasse entgegen (vgl. § 20 Abs. 6 EStG). Die Bescheinigung ist entbehrlich, wenn – wie vorliegend – die doppelte Berücksichtigung des Verlustes ausgeschlossen ist.

Handlungsempfehlung

Eine Reaktion der Finanzverwaltung auf die Entscheidung des BFH steht noch aus. Gleichwohl empfehlen wir im Hinblick auf das BFH-Urteil zu prüfen, ob durch Verkauf wertloser Aktien realisierte Aktienverluste in der Vergangenheit vom Finanzamt steuerlich nicht anerkannt wurden. Soweit möglich sollte eine Änderung der Steuerfestsetzung beantragt werden. Hierbei sind wir Ihnen gerne behilflich. In zukünftigen Steuererklärungen sollten entsprechende Aktienverluste unter Hinweis auf die aktuelle Rechtsprechung des BFH geltend gemacht werden.

Offen gelassen hat der BFH, wie die bloße Ausbuchung von wertlos gewordenen Aktien aus dem Wertpapierdepot des Steuerpflichtigen steuerrechtlich zu beurteilen ist. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir in entsprechenden Fällen die Verluste stets durch Verkauf zu einem geringen Verkaufspreis zu realisieren und nicht eine Ausbuchung der wertlosen Aktien zu veranlassen.

Ansprechpartner

  • Dipl.-Kfm.
    Dr. Oliver Middendorf

    Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Partner

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  • Dipl.-Finanzw. (FH)
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